19.05.2022

Herzklopfen auf dem Sprungturm

Newsbeitrag: Sicherheit in der Badi - Bild 1

Am 1. Mai ha­ben vie­ler­orts die Frei­bä­der wie­der ge­öff­net. Auch wenn bei 16 Grad Was­ser- und 18 Grad Aus­sen­tem­pe­ra­tur noch nicht al­le Ba­de­ni­xen und Was­ser­män­ner so­fort ih­re Ba­de­ta­schen packen, ist die Ba­dier­öff­nung doch so et­was wie ein kla­rer In­di­ka­tor für den Som­mer. Jetzt dau­ert es nicht mehr lan­ge, bis wir nach den er­sten Schwimm­zü­gen im Gras lie­gen und uns in der Son­ne trock­nen las­sen, uns nach dem Fei­er­abend mit Fa­mi­lie und Freun­den in der Ba­di tref­fen und auch mal wie­der ei­nen Sprung vom Turm ins Was­ser wa­gen – Frei­heits­ge­fühl, Ad­re­na­lin­schub und Ju­gend­lich­keit. Ja, der Som­mer fühlt sich gut an. Da­mit wir un­be­schwert das küh­le Nass ge­nies­sen und uns in Som­mer­lau­ne fal­len las­sen kön­nen, ha­ben hin­ter den Ku­lis­sen vie­le gu­te Gei­ster al­le Hän­de voll zu tun. Si­cher­heit be­deu­tet nicht nur, dass Ba­de­mei­ster*in­nen mit wa­chen Au­gen den Ba­de­be­trieb ver­fol­gen, son­dern auch die Was­ser­qua­li­tät muss über­wacht wer­den und die An­la­gen müs­sen ge­rei­nigt und in­stand ge­hal­ten wer­den. Bei der Rei­ni­gung der Sprung­tür­me in teils schwin­del­erre­gen­der Hö­he muss für die Ba­di­an­ge­stell­ten vor al­lem ei­nes im Vor­der­grund ste­hen: näm­lich die Ver­mei­dung von Ar­beits­un­fäl­len.

Chri­stoph Oder­matt ist Lei­ter des Be­reichs Si­cher­heit und Si­cher­heits­be­auf­trag­ter (SI­BE) der Ge­mein­de Em­men und un­ter an­de­rem für das Frei- und Hal­len­bad Moos­hüs­li zu­stän­dig. Er hat das CAS «Risk and Safe­ty Ma­nage­ment» be­sucht und in sei­ner Pro­jekt­ar­beit Ri­si­ken und Si­cher­heit im Frei- und Hal­len­bad Moos­hüs­li un­ter die Lu­pe ge­nom­men. Her­aus­ge­kom­men sind Er­kennt­nis­se, wie die Si­cher­heit im Ba­de­be­trieb ver­bes­sert und Ri­si­ken mi­ni­miert wer­den kön­nen. Wir dür­fen die wich­tig­sten Er­geb­nis­se und Aus­zü­ge aus sei­ner Ar­beit hier vor­stel­len.

Das Frei- und Hal­len­bad Moos­hüs­li

Das Frei- und Hal­len­bad Moos­hüs­li ist ein wich­ti­ger Trä­ger für die Frei­zeit­ge­stal­tung der Em­mer Be­völ­ke­rung. Ba­de­gä­ste je­den Al­ters, Stamm­gä­ste wie Ge­le­gen­heits­be­su­cher, Ein­zel­per­so­nen wie auch Fa­mi­li­en mit Kin­dern, Per­so­nen mit sport­li­chen Am­bi­tio­nen, Schwimm­ver­ei­ne so­wie Schul­klas­sen zäh­len zu den Kun­den des Frei- und Hal­len­bads.


Das Frei- und Hal­len­bad Moos­hüs­li bie­tet ei­nen Win­ter- wie auch Som­mer­be­trieb. Mit ei­ner An­la­ge­flä­che von ca. 36'000 m² (Frei- und Hal­len­bad inkl. Well­ness­be­reich) zählt es zu ei­ner der grös­se­ren öf­fent­li­chen Be­geg­nungs­zo­nen in der Ag­glo­me­ra­ti­on Lu­zern. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ha­ben im Schnitt über 260'000 Gä­ste jähr­lich das Bad be­sucht.

Organisation und Betrieb

Das Frei- und Hal­len­bad Moos­hüs­li be­schäf­tigt ge­gen­wär­tig 14 Per­so­nen in un­ter­schied­li­chen Funk­tio­nen. Dem Bad steht ein Be­triebs­lei­ter vor. Der täg­li­che Zwei­schicht-Be­trieb im Frei- und Hal­len­bad inkl. Well­ness­be­reich wird durch drei Teams ab­ge­deckt: Team Bad­mei­ster, Team Kas­se und Team Rei­ni­gung. Das Hal­len­bad ist ganz­jäh­rig in Be­trieb. Wäh­rend der Som­mer­sai­son von An­fang Mai bis Mit­te Sep­tem­ber herrscht Dop­pel­be­trieb: Hal­len- so­wie Frei­bad­be­trieb. Die im Hal­len­bad in­te­grier­te Well­ness-An­la­ge wird von An­fang Sep­tem­ber bis En­de Ju­ni be­trie­ben.

Ge­set­ze und Vor­ga­ben

Zu den we­sent­li­chen Pflich­ten ei­nes Schwimm­bad­be­trei­bers ge­hö­ren die Ge­währ­lei­stung ei­ner män­gel­frei­en Ba­de­an­la­ge, ei­ner aus­rei­chen­der Bad­was­ser­qua­li­tät und Um­ge­bungs­hy­gie­ne. Aus­ser­dem muss die Über­wa­chung und Ord­nung des Ba­de­be­triebs mit aus­ge­wie­se­nen Fach­leu­ten si­cher­ge­stellt wer­den. Beim Be­trieb ei­nes Schwimm­bads wie des Frei- und Hal­len­bads Moos­hüs­li sind fol­gen­de ge­setz­li­che Grund­la­gen zu be­ach­ten:


  • Bun­des­ver­fas­sung (BV, Art. 110)
  • Ob­li­ga­tio­nen­recht (OR)
  • Bun­des­ge­setz über die Un­fall­ver­si­che­rung (UVG)
  • Ver­ord­nung über die Ver­hü­tung von Un­fäl­len und Be­rufs­krank­hei­ten (VUV)
  • Bun­des­ge­setz über die Ar­beit in In­du­strie, Ge­wer­be und Han­del (ArG)
  • Bun­des­ge­setz über Le­bens­mit­tel und Ge­brauchs­ge­gen­stän­de (LMG)
  • Bun­des­ge­setz über den Schutz vor ge­fähr­li­chen Stof­fen und Zu­be­rei­tun­gen (ChemG)
  • EKAS-Richt­li­nie Nr. 6508 über den Bei­zug von Ar­beits­ärz­ten und an­de­ren Spe­zia­li­sten der
  • Ar­beits­si­cher­heit
  • Lehr­plan 21


Si­cher­heits­ma­nage­ment: Ge­fah­re­nermitt­lung und -be­wer­tung

Um ein struk­tu­rier­tes Si­cher­heits­ma­nage­ment auf­zu­bau­en und um­zu­set­zen, müs­sen die re­le­van­ten Sta­ke­hol­der und de­ren In­ter­es­sen ana­ly­siert wer­den. Im Frei- und Hal­len­bad Moos­hüs­li wur­den Kun­din­nen, Kun­den und Mit­ar­bei­ten­de als Sta­ke­hol­der ober­ster Prio­ri­tät be­züg­lich Si­cher­heit de­fi­niert.

In ei­nem näch­sten Schritt wur­den Ri­si­ken de­fi­niert und be­wer­tet. Ein Ri­si­ko, wel­ches da­bei als «hoch» ein­ge­stuft wur­de, ist nach­fol­gend nä­her be­schrie­ben.

Risikomatrix

Arbeitsunfall auf dem Sprungturm

Sprung­tür­me müs­sen re­gel­mäs­sig ge­rei­nigt wer­den, da an­son­sten durch die Feuch­tig­keit und Nut­zung ei­ne rut­schi­ge Film­schicht so­wie Ver­kei­mun­gen ent­ste­hen. Die Rei­ni­gung mit che­mi­schen Rei­ni­gungs­mit­teln fin­det in der Hö­he statt und wird aus­ser­halb der Be­triebs­zei­ten durch­ge­führt. Über­mü­dung, un­kon­zen­trier­te hek­ti­sche Ar­beits­aus­füh­rung oder fal­sche Hand­ha­bung der Ge­rät­schaft kann zu Stol­per- und Stur­zun­fäl­len füh­ren. Leicht­sin­ni­ger Um­gang mit che­mi­schen Rei­ni­gungs­mit­teln kann Ver­let­zun­gen oder Ver­ät­zun­gen zur Fol­ge ha­ben. Da­mit die­se Ri­si­ken ver­hin­dert wer­den, be­stehen im Frei- und Hal­len­bad Moos­hüs­li be­reits ver­schie­de­ne Si­cher­heits­vor­keh­run­gen: Bei die­sen Tä­tig­kei­ten tra­gen die Mit­ar­bei­ten­den die da­für not­wen­di­ge Schutz­aus­rü­stung. Aus­ser­dem wer­den die Rei­ni­gungs­ar­bei­ten nur von Per­so­nal durch­ge­führt, das im Um­gang mit che­mi­schen Rei­ni­gungs­mit­teln ge­schult wur­de. Beim Ein­satz neu­er Rei­ni­gungs­mit­tel wer­den Che­mi­ka­li­en-Kur­se durch­ge­führt.

Um Scha­dens­aus­mass und Ein­tritts­wahr­schein­lich­keit die­ses Ri­si­kos wei­ter zu ver­min­dern, wur­den in der Ar­beit wei­te­re Mass­nah­men vor­ge­schla­gen:


Mass­nah­men­um­set­zung Ri­si­ko 1: Ar­beits­un­fall (Che­mi­ka­li­en, Sturz)

  1. Ein­füh­rung Drei­schicht-Be­trieb
    Mit der Er­wei­te­rung des Zwei­schicht-Be­triebs auf ei­nen Drei­schicht-Be­trieb wer­den kür­ze­re Prä­senz­zei­ten ge­schaf­fen. Dies ge­währ­lei­stet ei­nen stär­ke­ren Fo­kus auf die zu­ge­wie­se­ne Rei­ni­gungs­tä­tig­keit – auch nach Ba­de­schluss. Hek­tik und Un­auf­merk­sam­keit in der Ar­beits­aus­füh­rung wer­den re­du­ziert.
  2. Ein­füh­rung Nach­weis­pflicht (schrift­li­che Do­ku­men­ta­ti­on über Um­set­zung der Schu­lun­gen, In­struk­ti­ons- und Sen­si­bi­li­sie­rungs­mass­nah­men)
    Mit der Um­set­zung der In­for­ma­ti­on zur Nach­weis­pflicht kann klar do­ku­men­tiert wer­den, wo Lücken im Fach­wis­sen vor­han­den und al­len­falls not­wen­di­ge Schu­lun­gen nö­tig sind.
  3. Über­prü­fung Ar­beits­mit­tel
    Bei der Rei­ni­gung der Sprung­tür­me wer­den vie­le Ge­rät­schaf­ten ver­wen­det. Es soll ei­ne Re­duk­ti­on der be­nö­tig­ten Ar­beits­mit­tel ge­prüft wer­den, um ei­nen ge­ord­ne­ten Ar­beits­platz zu ge­währ­lei­sten.

Die­ses Bei­spiel zeigt, wel­chen Nut­zen ein sy­ste­ma­ti­sches Si­cher­heits­ma­nage­ment brin­gen kann. Ne­ben den neu­en Mass­nah­men, die hier vor­ge­schla­gen wer­den, ist beim The­ma Si­cher­heit die Sen­si­bi­li­sie­rung ein zen­tra­les The­ma: In der All­tags­rou­ti­ne ge­hen Auf­merk­sam­keit und Kon­zen­tra­ti­on manch­mal un­ter. Trotz aus­rei­chen­der Schutz­mass­nah­men kann es zu Feh­lern und Un­fäl­len kom­men. Das ist mensch­lich: wenn wir et­was oft tun, füh­len wir uns si­cher und un­se­re Auf­merk­sam­keit nimmt ab. Si­cher­heit dann wie­der zu the­ma­ti­sie­ren und be­wusst zu ma­chen, ist ein zen­tra­les An­lie­gen ei­nes Si­cher­heits­ma­nage­ments. Im be­sten Fall führt das da­zu, dass sich die Gä­ste des Frei- und Hal­len­bads Moos­hü­li nach dem Ad­re­na­lin-Kick auf dem Sprung­turm dann doch un­be­schwer­ter fal­len las­sen kön­nen. Was für gross­ar­ti­ge Som­mer­aus­sich­ten!

Wir dan­ken Chri­stoph Oder­matt und der Ge­mein­de Em­men für die Ein­blicke in ih­re Ar­beit.

Quel­le: Chri­stoph Oder­matt: Si­cher­heits­ma­nage­ment-Kon­zept Frei- und Hal­len­bad Moos­hüs­li, Em­men

Pro­jekt­ar­beit im «CAS Risk & Safe­ty Ma­nage­ment», Fe­bru­ar 2022

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